Taumelnde Steine – ein literarischer Roadtrip von Thomas Libischer

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Literatur
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R obert, Rainer, Andy, und Ivy, alle Mitte Vierzig und gesellschaftlich etabliert, fliegen für zwei Wochen Pauschal-Urlaub in ein Golfhotel in die Türkei. Nach Rainers Affäre mit der Gattin des Hotelbesitzers und dem darauf folgenden Rauswurf bricht die Gruppe spontan nach Griechenland auf. Sie reisen im betagten VW Bus seines noch betagteren Besitzers Gereon, eines Alt-Hippies. Gereon lebt in einer Höhle am Strand und hat sich von weltlichen Gütern losgesagt. Er bewirtschaftet eine ansehnliche Marihuana-Plantage hinter der Hotelanlage, die er von der Hotelsecurity pflegen lässt. Ein durchgeknallter Roadtrip beginnt.

Die fünf Protagonisten lernen eigenwillige Menschen kennen, geraten in skurrile Situationen und mit dem Gesetz in Konflikt, da Gereon nicht nur Panflöten mit doppelter Funktion im Gepäck hat, sondern auch das dazugehörige Gras in nicht geringer Menge. Mein alter Freund Thomas Libischer hat den literarischen Roadtrip „Taumelnde Steine“ geschrieben und im Eigenverlag bei amazon veröffentlicht. Darin verknüpft er Daseinsfragen und Urlaubsgefühle von Mittvierzigern mit der Lebenswirklichkeit griechischer Bürger und philosophiert, wer hier eigentlich in der Krise ist.  Ich habe mit Thomas gesprochen und ihn zu seinen symphatischen Antihelden, unserer wohlbehüteten Mittelstandskultur und der ewigen Frage nach Freiheit befragt:

Du verbindest die politische und gesellschaftliche Krise in Griechenland mit persönlichen Lebenskrisen von Menschen unserer Generation. Sind die Sorgen deiner Protagonisten nicht banal im Gegensatz zu den existenzbedrohenden Veränderungen, welche die griechische Bevölkerung erlebt?

Wenn man das Ganze von außen betrachtet, stimmt dies sicherlich. Auf der anderen Seite ist der Vergleich Sorgen und Nöte saturierter Mittelständler aus Deutschland mit den Sorgen und Nöten der griechischen Bevölkerung am Beispiel der beiden Polizisten interessant, weil man nicht abschließend beurteilen kann, wer das eigene Leben für sich besser annimmt, wem es subjektiv besser oder schlechtergeht.

In deiner Buchbeschreibung auf amazon schreibst du von einer zweiten, ernsten Ebene hinter dem Leichten, Absurden und Skurilem. Worum geht es da?

Ich meine damit, dass die Dialoge häufig als oberflächliches Gerede um des Redens willen daherkommen. Die Grenze zwischen Labern und Philosophieren ist jedoch fließend. Die Aussagen der Protagonisten offenbaren mehr über die einzelnen Personen, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Man kann sich darauf einlassen oder das Buch einfach als einen unbeschwerten Roadtrip lesen.

Robert, Rainer, Andy, und Ivy reisen wohin sie möchten und wie sie möchten. Sind sie frei?

Das Buch spielt mit dem subjektiven Gefühl von Freiheit. Die vier haben die Möglichkeit, nachdem sie das Hotel verlassen mussten, die Rückflugtickets zu entsorgen und einfach auf anderem Weg weiter zu reisen und Urlaub zu machen, ohne sich finanziell den Kopf zerbrechen zu müssen. Aber nehmen wir zum Beispiel den Charakter Rainer Town, der den ganzen Tag damit beschäftigt ist, über Frauen nachzudenken. Ist das Freiheit? Kann er die Freiheit positiv für sich nutzen? TaumelndeSteine

Ich finde TS ist ein sehr männliches Buch. Ist es ein Männer-Buch?

Drei Männer und eine Frau fahren gemeinsam in den Urlaub. Es treten mehr Männer auf und daher bieten diese auch mehr Identifikationsmöglichkeiten für männliche Leser. Das ist richtig. Es wird größtenteils aus der Perspektive der Männer erzählt, aber es beinhaltet Themen die beide Geschlechter betreffen. Ich denke, auch als Frau kann man der Sichtweise der Typen etwas abgewinnen und sich auf den Roadtrip einlassen.

Die Protagonisten in Taumelnde Steine  wirken oft verzweifelt. Bist du ein optimistischer Mensch?

Verzweifelt ist das falsche Wort. Die Protagonisten wirken unfertig, vielleicht momentan „lost“. Das ist in meinen Augen nichts Negatives, eher so wie der abgedroschene Spruch: Das Leben ist eine Baustelle. Und die bereitet sowohl den Protagonisten als auch mir Spaß. Zynische Betrachtungen sind in meinen Augen nur Stilmittel, um die Banalitäten des Alltags humorvoll zu erhöhen.

71q6fmPVQSL._UX250_Thomas Libischer ist 1967 geboren. Nach Bund und BWL-Studium jobbte er als Fabrikarbeiter, Bierfahrer, Lagerist, Kellner, in der Marktforschung und der Werbung. Zwischendurch bereiste er Portugal, Türkei und Griechenland. 1993 begann seine Karriere in der Fahrradbranche, seit 2004 in seinem eigenen Unternehmen. Thomas hat zwei erwachsene Söhne. Seit 2014 schreibt er. Taumelnde Steine ist sein erster Roman. Wer von euch das Buch unbedingt lesen möchte, kann es für 10,06 € auf amazon.de bestellen oder hier kommentieren, warum er das Buch unbedingt braucht – Thomas hat uns ein Exemplar für euch zur Verfügung gestellt.

 

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